Appetit

Lust - ein Schlüssel für das Weiterleben

zwei rote ÄpfelDas Leben selbst will immer nur das eine: sich selbst erhalten. Darum ist alles, was für unser Überleben notwendig ist, bei uns von Natur aus mit Lust verbunden. Also haben wir Lust auf Erbsen, fetten Fisch und süße Früchte, wenn wir die Nährstoffe brauchen, die in Erbsen, fettem Fisch und süßen Früchten enthalten sind. So sorgt die Natur über unseren Appetit seit Ur-Zeiten dafür, dass wir genau das essen, was wir tatsächlich brauchen. Und tatsächlich haben wir als Menschheit damit sehr gut überlebt.

Dass wir heutzutage mit unseren Gelüsten und unserem Appetit aber immer öfter in Ess-Verhalten hineingeraten, die uns ganz und gar nicht guttun, hat einen ganz einfachen Grund: die Industrialisierung von Nahrung. Und diese Industrialisierung hat gleich mehrere nachteilige Effekte für unsere Gesundheit. Zwei dieser nachteiligen Effekte torpedieren nachhaltig den Sinn, den der Appetit für unsere Gesundheit hat:

Zu viel des Süßen und Fetten

Zu Ur-Zeiten war es für uns lebensnotwendig, dass wir uns den Sommer über den Bauch vollschlugen mit den unwiderstehlich süßesten Früchten und allem Fetten, was zu ergattern war. Aus gutem Grund hat die Natur es so eingerichtet, dass Zucker und Fett die Geschmacks-Träger schlechthin sind: Dadurch fraßen wir uns den Speckvorrat an, den wir brauchten um über den nahrungsarmen Winter zu kommen. Unser körpereigener Speckvorrat schmolz bis zum nächsten Frühjahr von ganz allein nach und nach dahin. Und dann begann der natürliche Nahrungs-Zyklus von vorne.

Für die meisten von uns ist Süßes und Fettes heute immer noch so unwiderstehlich wie zu Ur-Zeiten. Nur, dass uns Süßes und Fettes heute in solch gigantischen Mengen zur Verfügung steht, die zu Ur-Zeiten unvorstellbar waren. Zu Ur-Zeiten war die Nahrungs-Beschaffung eine riesige Herausforderung und es galt, sich alles in den Bauch zu schlagen, was zu bekommen war. Und genau das müssen wir uns heute, in Zeiten des totalen Über-Angebots von Nahrung, dringend abgewöhnen.

Die große Herausforderung: was und wie viel

Lachs-Steak mit ThymianZucker und Fett sind aus gutem Grund die Geschmacksträger schlechthin. Nur leider ist es für uns heutzutage viel zu leicht an viel zu viel davon ran zu kommen. Darum stehen wir evolutionstechnisch gesehen jetzt vor einer ganz neuen, großen und wichtigen Aufgabe: wir müssen lernen, noch genauer auf die Signale unseres Körpers zu hören als zu Ur-Zeiten, indem wir nicht nur wahrnehmen, was wir brauchen, sondern mit gleicher Priorität auch wie viel wir wovon brauchen.

Doch genau diese große Herausforderung wird von der industriell erzeugten Nahrung massiv torpediert:

Vortäuschung von Nährstoffen

Bei der industriellen Nahrungs-Erzeugung liegt die oberste Priorität darin, mit so wenig Aufwand wie möglich ein Maximum an Gewinn zu erzeugen. Bei dieser Prioritäten-Setzung bleibt die Natürlichkeit der Nahrung auf der Strecke und damit auch die Qualität. Sie ist weniger nahrhaft, ist mit einer Vielzahl von giftigen Pestiziden belastet und lässt auch sonst viele Wünsche offen.

Damit diese unnatürlich erzeugte Nahrung trotzdem schmeckt als sei sie natürlich wertvoll, hat die chemische Industrie keine Mühen gescheut und ist heute in der Lage, über künstlich erzeugten Geschmack unserem Gehirn Nährstoff-Gehalte vorzugaukeln, die tatsächlich gar nicht in der Nahrung enthalten sind.

Im Einklang mit der Realität

Hinzu kommen Fertig-Produkte aller Art vom Gummi-Bärchen bis zur Fertig-Lasagne, die mit einer Vielzahl von Geschmacks-Verstärkern (wie Glutamat und Hefe) geschmacklich aufgeplustert werden, wobei Hefe als Geschmacks-Verstärker sogar in manchem Bio-Fertig-Produkt enthalten ist. Der Verkauf vieler anderer Fertig-Produkte wird sogar ganz gezielt durch den Einsatz von Suchtstoffen angekurbelt. Durch all diese Machenschaften wird unserem Gehirn ein Nährstoff-Gehalt vorgegaukelt, der mit der Realität nicht in Einklang zu bringen ist.

Die Folge davon ist, dass unser körpereigenes Gespür für das, was wir brauchen, nachhaltig gestört wird. Denn das Gehirn meldet wegen des Geschmacks den Eingang von Nährstoffen, den der Körper aus dem realen Nährstoffgehalt nicht bestätigen kann. Das Ergebnis ist eine nachhaltige Verwirrung, die unsere Wahrnehmung für die tatsächlichen Bedürfnisse unseres Körpers erheblich stört. In Anbetracht der Tatsache, dass wir unsere Wahrnehmungs-Fähigkeit aber steigern müssen, liegt eine Konsequenz klar auf der Hand: Finger weg von industriell erzeugter Nahrung. Hin zum Einklang mit der Realität.

Tief durchatmen und dann ... was ... und dann ... wie viel

großzügige Gemüse-AuslageUnd dann atmen Sie vor jedem Einkauf und vor jeder Entscheidung darüber, was Sie tatsächlich essen wollen, ganz gelassen tief durch, entspannen sich erst mal. Denken Sie daran, dass Ihr Körper schlauer ist als jede Empfehlung. Auch die Empfehlung der WHO zum Salz-Bedarf hat sich schon mehrfach als nicht haltbar erwiesen, wie gerade mal wieder im online-Angebot der Zeit nachzulesen ist. Also hören Sie auf Ihren Körper:

Wenn es geht, stellen Sie sich vor die Nahrungsmittel, aus denen Sie aktuell auswählen können. Dann schließen Sie kurz die Augen, spüren tief in sich selbst hinein und dann spüren Sie es, sehen es vielleicht sogar klar und bildlich vor Augen, oder die Hände greifen schon von allein danach: das, worauf Sie wirklich Appetit haben, weil Ihr Körper es wirklich braucht. Essen Sie es mit Genuss. Denn dafür sind Essen, Appetit und Geschmacks-Sinn schließlich da. Hierzu gibt es ein kleines Anekdötchen aus der online-Redaktion der Tagesschau als pdf, das Sie hier anschauen und downloaden können.

Kleiner Trick - genussvolle Wirkung

Beim "wie viel" geht es im Prinzip genauso wie beim "was". Wir alle haben es schon erlebt: es gibt Tage, da brauchen wir das Wort "Pizza" nur zu denken und schon nehmen wir zu. An anderen Tagen essen wir eine ganze Pizza und danach noch Obstsalat und heißen Kakao - und nehmen kein einziges Gramm zu. Die Kalorienzahl ist eben nicht das alles Entscheidende, wenn es um das "wie viel" geht, das wir tatsächlich brauchen. Auch das "wie viel" spüren wir eigentlich ganz genau. Manchmal ist es nur einfach etwas schwerer, die notwendige Disziplin walten zu lassen.

Ein kleiner Trick, der immer wieder gut funktioniert: Wenn ich merke, dass ich eigentlich schon genug habe, eigentlich aber noch mehr zum Beispiel von diesen köstlichen Kartoffeln essen möchte, nehme ich noch einen kleinen Bissen und sage mir dabei, dass der Rest ganz genauso schmeckt. Ich brauche also nicht noch mehr Kartoffeln, sondern nur mehr Zeit, um das, was ich bereits im Munde habe, zu genießen und voll und ganz auszukosten.