Siegel

Durchblick im Siegel-Wald

Vollreife Weintrauben in der AbendsonneSiegel sind eigentlich dazu da, bestimmte Qualitäts-Merkmale hervorzuheben und zu garantieren. Eigentlich. Wer mit offenen Augen durch den Supermarkt geht, fühlt sich schier erschlagen von der Vielzahl der Siegel, die dieses und jenes versprechen. Die meisten dieser Siegel sind von den Werbeagenturen der Hersteller frei erfundene Marketing-Grafiken ohne jede Aussage von Belang.

"Geprüfte Qualität" zum Beispiel bedeutet nichts weiter, als dass irgendjemand irgendetwas geprüft hat. Ob etwas, und wenn, dann was bei dieser Prüfung herauskam, spielt keine Rolle, wird in der Regel auch nicht erwähnt. Auch das momentan so beliebte Merkmal "regional" sagt absolut nichts über die Qualität der Nahrung aus. Schließlich ist auch das Ei aus der Legebatterie regional, wenn es aus der Region kommt. Und dass Schinken aus dem Schwarzwald auch in Köln mit dem Label "regional" verkauft werden darf, sagt alles über den Wert des Marketing-Gags namens "regional".

"Regional" mit Sinn

Trotzdem macht es Sinn darauf zu achten, dass unsere Nahrung aus der Region kommt. Denn der Boden, auf dem wir leben, ist im Normalfall der beste Boden für alles, was wir an Nährstoffen wirklich brauchen. Und was in unserer Nähe wächst und verarbeitet wird, hat nur einen kurzen Transportweg hinter sich, bevor es auf unseren Tellern landet. Das ist gleichermaßen gut für Umwelt, Nahrung und Gesundheit. Allerdings nur, solange dieser regionale Boden nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet und die regional aufgezogenen Tiere voller Respekt vor dem Leben behandelt werden.

Wenn wir berücksichtigen, welche große, wichtige Bedeutung für unsere Gesundheit unserem Appetit zukommt, sollten wir uns nur noch mit natürlicher Nahrung aus Bio-Produktion ernähren. Und für die gibt es tatsächlich glaubhafte Siegel, die nur nach sehr strengen Qualitäts-Prüfungen vergeben werden. Die Vergabe-Kriterien sind transparent und können nachvollzogen werden.

Die Bio-Siegel im Vergleich

Einen direkten Vergleich der verschiedenen Kriterien der verschiedenen Verbände gibt es bei wikipedia.de. Einen knappen Überblick mit Verlinkung zu den jeweiligen Verbänden sehen Sie hier:

Die beiden sogenannten Bio-light Siegel:

Die gesetzlichen, bzw. staatlichen Siegel, werden auch als "bio light" bezeichnet, weil sie relativ lasche Anforderungen stellen. Zum Beispiel sehr, sehr großflächige Monokulturen sind hier genauso erlaubt, wie Zustände bei der Tierhaltung, die der konventionellen Massentierhaltung sehr ähnlich sind. Dadurch entstehen in landwirtschaftlichen Betrieben, deren erzeugte Nahrung nur den Kriterien der Euro-Bio-Siegel genügt, die gleichen Probleme wie in der konventionellen Landwirtschaft. Dann dürfen aber zum Beispiel den Tieren, die nur im Euro-Bio Betrieb großgezogen werden, im Krankheitsfalle keine Medikamente wie Antibiotika verabreicht werden. Dadurch bleiben zum Beispiel Euter-Entzündungen bei Kühen dann häufig sogar vollkommen unbehandelt. Und das lässt die Tiere unnötig leiden, ist für die Tiere manchmal sogar schlimmer als gar kein Bio, geht aber als Euro-Bio durch. Und das ist nur ein Negativ-Beispiel für Bio-Light mit dem Euro-Bio Siegel, das es in zwei Versionen gibt:

Bio-Light Siegel, auch Euro-Bio Siegel

Das EU Siegel
Web-Adresse: https://ec.europa.eu/agriculture/organic/index_de

Deutsches Bio-Light Siegel

Das deutsche Bio Siegel
Web-Adresse: https://www.oekolandbau.de/bio-siegel/

Die drei Bio-Siegel der anerkannten, strengen Verbände:

Gerade bei tierischer Nahrung wie Fleisch, Eiern, Milch und Milch-Produkten sollten wir besonders genau darauf achten, dass Sie ein veritables Bio-Siegel von einem der anerkannten Verbände hat. Und davon gibt es genau drei. Nur, wenn die Nahrung mit einem dieser drei Siegel ausgezeichnet ist, können Sie davon ausgehen, dass zum Beispiel die Kühe, die die Milch für diesen Joghurt gegeben haben, auch wirklich artgerecht gehalten werden. Demeter-Höfe, zum Beispiel, werden nicht als reine Produktions-Stätten gesehen, sondern als Gesamt-Organismus, der mit Respekt vor dem Leben behandelt wird.

Dies sind die drei Siegel der drei relevanten Deutschen Verbände, deren Qualitäts-Kriterien strenger sind als die staatlichen Gesetze:

Logo Naturland Naturland
Web-Adresse: http://naturland.de/de/
Logo Bioland Bioland
Web-Adresse: http://www.bioland.de/start.html
Logo Demeter Demeter
Web-Adresse: https://www.demeter.de/

Wenn wir bei unserem Einkauf darauf achten, dass unsere Nahrung mit einem dieser drei Verbands-Bio-Siegel versehen ist, nämlich Naturland, Bioland oder Demeter, sind wir in puncto gesunder Nahrung auf einer ziemlich sicheren Seite.

Eine Besonderheit gilt für Fisch:

Bio-Fisch gibt es nur aus Aquakultur. Er entwickelt sich ganz anders als wild lebender Fisch und schmeckt auch anders. Wild lebender Fisch kann niemals Bio sein, da niemand wissen kann, wovon er sich ernährt hat. Er schmeckt oft besser als der aus Aquakultur, weil er oft auch tatsächlich die natürlichere, bessere Qualität hat. Solange wild lebender Fisch unter nachhaltigen Bedingungen gefangen wird, kann er also gerne auf unseren Tellern landen. Er soll angeblich zu erkennen sein an diesem Siegel:

Logo msc Marine Stewardship Council
Web-Adresse: https://msc.org/de

Leider klafft auch bei diesem Siegel inzwischen eine riesige Kluft zwischen Versprechen und Wirklichkeit. Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass dieses msc Siegel mittlerweile auf fast jeder Fisch-Verpackung zu finden ist. Diese inflationäre Vergabe des Siegels bedeutet keinesfalls eine Steigerung der allgemeinen Qualität von Fisch, sondern ist nur Ausdruck des Geschäfts-Modells des msc: Wer dieses Siegel bekommt, wird zum Lizenznehmer des msc und zahlt dafür regelmäßige, hohe Lizenz-Gebühren an den msc. So landet auf den Konten des msc umso mehr Geld, je mehr Fischgründe von ihm zertifiziert werden.

Mehrere Recherche-Teams haben mittlerweile belegt, dass selbst solcher Fisch mit dem msc Siegel zertifiziert wird, der von riesigen industriellen Fangflotten mit Bodenschleppnetzen gefangen wurde, die auf dem Meeresboden nur tote Schlammwüsten hinterlassen und damit jede Chance auf Nachhaltigkeit besonders nachhaltig zerstören. Dazu gibt es unter anderem einen informativen, kurzen Beitrag des Polit-Magazins "Panorama". Eine umfassende 45-Minuten Reportage der ard ist noch bis 23.04.2019 online gratis zu sehen. Und darüber, dass auch etliche andere Fisch-Siegel keinerlei Bedeutung mehr haben, klärt ein Beitrag von "markt" auf.

Egal, welches Siegel was verspricht - keines sagt irgendetwas darüber aus, wie der Fisch nach dem Fang noch bearbeitet und / oder haltbar gemacht wurde. Da ist also vieles möglich, so dass keines der vielen speziellen Fisch-Siegel als Kauf-Empfehlung verstanden werden kann. Wirklich verlassen können Sie sich also auch beim Kauf von Fisch nur auf die oben beschriebenen Bio-Siegel von Naturland und Bioland. Und wenn Sie die Gelegenheit haben, in einem richtig guten Fisch-Geschäft einzukaufen, tun Sie es auch dann, wenn es keine Siegel hat. Viele wirklich gute, kleine Fischer verzichten längst auf alle Siegel.

Detailliertere, aber leider ziemlich veraltete Infos zu Fisch-Siegeln finden Sie knapp zusammengefasst auf den Seiten der Stiftung Warentest und ausführlich auf den Seiten des Naturschutzbundes Nabu.

Vorsicht vor Aufgepumptem

Vorsicht vor Fisch, besonders tief gefrorenem, der wenig kostet: Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass dieser Fisch nur deshalb so billig ist, weil er mit Wasser und anderen Zusatzstoffen aufgepumpt wurde und beim Braten dann zusammenschmilzt wie ein Billigschnitzel. Weitere Infos dazu finden Sie beim SRF (Schweizer Rundfunk) (nur die Anmoderation ist auf Schweizer Deutsch, der Rest des Films ist Hochdeutsch) und bei den Netzfrauen.